kostenlose Beratung für Erkrankte und deren Angehörige

Hintergrund der Gesundheitsmediation


Da schwere Erkrankungen wie Krebserkrankungen meist nicht nur zu einer Beeinträchtigung der Körperfunktionen, sondern auch zu einer Minderung des psychischen Wohlbefindens und des sozialen Lebens führen, betrifft die Nachricht von der Erkrankung neben den PatientInnen das gesamte Familiensystem: Partner, Eltern, Kinder und auch Freunde des Patienten sind mit betroffen.
Mitunter kommen Angehörige mit der durch die Erkrankung veränderten Situation schlechter zu Recht als der Erkrankte selber.
Damit Genesung und/oder Pflege bestmöglich gewährleistet werden können, sollen in erster Linie Familienkonflikte aus dem Weg geräumt werden.
Der Grund: Je schwerer und bedrohlicher die Erkrankung, desto wichtiger ist die kommunikative Interaktion zwischen Betroffenen (Erkrankte und ihre Familie) und den Ärzten.

Was bedeutet Gesundheitsmediation und wieso ist sie ein wichtiger Teilaspekt von Rehabilitation?


Die Gesundheitsmediation gilt als spezielle Form der Familienmediation, bei der ein Familienmitglied schwer erkrankt ist. Die lange Dauer der Erkrankung und die Ungewissheit, ob und wann Heilung eintreten wird, die Last für das soziale Umfeld durch eine lange Krankheitsdauer, die Gefahr des sozialen Abstieges durch einen allfälligen Verlust des Arbeitsplatzes und somit einen möglichen Einkommensverlust, all diese Faktoren machen den Umgang mit schweren Erkrankungen und ihren Auswirkungen zu einer besonderen Herausforderung.

Nutzen:

Ziel der Gesundheitsmediation ist, Patienten und Angehörigen zu helfen, mit den durch die verschiedenen Phasen der Erkrankung bedingten Herausforderungen besser umgehen zu können.

Folder Intensivberatung


Intensivberatung und Gesundheitsmediation:

Projektidee
Die Idee zum Projekt „Intensivbetreuung und -beratung von gesundheitlich beein-trächtigten Menschen und deren soziales Umfeld zur Förderung der Reintegration in den beruflichen Alltag" ist im Kontext onkologischer Rehabilitation entstanden. Der Fokus liegt jedoch bei der Rehabilitation prioritär auf der Wiederherstellung physi-scher Gesundheit bzw. auch auf psycho-onkologischen Aspekten. Nicht finanziert wird dabei die Förderung psycho-sozialer Gesundheit (Erhalt der Arbeitsfähigkeit, Reintegration in den beruflichen Alltag, etc.). Im Zuge von - nicht nur - onkologi-schen Rehabilitationsmaßnahmen kommen zwar Bedarf und Bedürfnisse zu Interven-tionen im beruflichen und privaten Umfeld in den Blick – diese werden aber in der Regel nicht oder nicht nachhaltig von den Rehabilitations- und Gesundheitseinrich-tungen aufgenommen.

Das Projekt jedoch setzt mit Intensivbetreuungs- und -beratungsangeboten bereits mit Beginn der Diagnose an. Durch die Förderung von psychischer Gesundheit schließt diese Maßnahme der „Prä - Rehabilitation" einerseits eine wesentliche Lücke, die im Sinne einer nachhaltigen Rehabilitation bislang offen gestanden ist, anderer-seits handelt es sich um eine zeitlich bereits vor der Rehabilitation stattfindende Maßnahme, die ein aktives Teilnahmen an einer Rehabilitation schneller möglich macht.


Projektziele
Gerade im Hinblick auf die laufende Gesundheitsreform wird mit diesem Projekt ein Anliegen und Vorhaben unterstützt, das in ganz unterschiedlichen Bereichen wirk-sam werden möchte:

Das Projekt kombiniert Einsichten und Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Bereichen und ist damit eine wichtige Ergänzung komplementär und unterstützend zu bereits bestehenden Angeboten sowie zeitlich der Rehabilitation vorrangig.
Auch andere Krankheitsbilder, die einen längerfristigen Verlauf nehmen und Rehabili-tations-/Reintegrationsmaßnahmen erfordern, weisen im Behandlungsprozess ver-gleichbare Lücken auf und erfahren damit die gleichen Hindernisse zur Rückkehr in einen befriedigenden und belastbaren Berufsalltag. Hier ist insbesondere an Krank-heitsbilder zu denken, die umgangssprachlich mit Herzinfarkt, Schlaganfall und/oder Burn-Out bzw. psychischen Erkrankungen umschrieben werden.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der von der Weltgesundheitsorganisation lange schon aufgezeigt wird, ist die erweiterte Aufmerksamkeit auf die An- und Zugehöri-gen von chronisch erkrankten Menschen, die allzu leicht im Krankheitsverlauf selbst erkranken und/oder – wenn die Aufmerksamkeit beim erkrankten Partner ist – nur noch eingeschränkt arbeitsfähig sind oder für eine bestimmte Zeit ganz aus der Er-werbsarbeit ausfallen. Hierbei ist davon auszugehen, dass bis zu 80 % der Angehöri-gen in Mitleidenschaft gezogen werden und starke Belastungserscheinungen in ir-gendeiner Art aufweisen.

Konkrete Vorgehensweise
Das Projektteam hat in der Konzeptentwicklung dafür 7 inhaltliche Schritte vorgeschlagen:

1. Clearing und Standortbestimmung
2. Stabilisierung der physischen und psychischen Integrität der Betroffenen durch die Einbeziehung ihres sozialen Umfeldes
3. Burn-Out-Prävention der Angehörigen als Teil der Stabilisierung des privaten Um-feldes
4. Vermittlung, Umsetzung und Begleitung von Konfliktlösungsstrategien
5. Aufnehmen und Bearbeiten von ehe- und familienrechtlichen Fragestellungen

Rambauske-Martinek L, Nickels A, Greil R, Nicht nur ich bin krank – meine Familie leidet mit! In: Me-dizin in Salzburg 10/2011, 10-11

6. Angebot von gesonderter Intensivberatung betroffener Angehöriger
7. Arbeitsplatzbezogene Intensivberatung

Warum Mediation:

"Trennung vom Partner vermindert die Lebenszufriedenheit stärker als der Tod oder eine schwere Erkrankung"
(DER SPIEGEL, 2003)


"Untersuchung an 736 Männern: Freundschaften haben ebenso großen Einfluss auf die Gesundheit wie eine Ehe. Nur Rauchen ist genauso gesundheitsschädlich wie die Gefühle von Einsamkeit und Isolation."
(Orth-Gomer K., Rosengren A., Wilhelmsen L. (1993), „Lack of social support and incidence of coronary heart disease in middle-aged swedish men". Psychosomatic Medicine 55 (1): 37 – 43)


"Der Verlust einer wichtigen emotionalen Beziehung verdoppelt das Risiko für Brustkrebs.
Schmerzhafte Trennungen und Scheidungen korrelieren direkter mit dem Krebs als der Tod des Ehepartners."
(Lillberg K., Verkasalo P.K., Kaprio J., Teppo L., Helenius K., Koskenvuo M (2003), „stressful life events and risk of breast cancer in 10,808 women: a cohort study". American Journal of Epidemiology 157: 414 - 423)


"Brustkrebspatientinnen, die 10 Freunde nennen konnten, hatten viermal so gute Chancen, ihre Krankheit zu überleben, als Patientinnen ohne Freunde. Die Freunde müssen nicht in der Nähe leben. Die schützende Wirkung rührt daher, dass sie sich mit anderen verbunden fühlten."
(Kroenke C.H. et al. (2006), „Social networks, social support, and survival after breast cancer diagnosis". Journal of Clinical Oncology 24 (7): 1105 – 1111)